
Mit einem neuen Master-Studiengang will Niedersachsens Landesregierung neue Wege in den Schuldienst ebnen. Das Angebot, das Niedersachsens Kultusministerin Julia Hamburg (Grüne) und Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) am Dienstag vorgestellt haben, richtet sich an Bachelor-Absolventen, die spätentschlossen doch noch auf den Lehramtspfad umsteigen wollen. Ziel ist es, mehr Lehrkräfte für Haupt- und Realschulen zu gewinnen – also für jene Schulformen, die am geringsten mit Lehrkräften versorgt sind. Mit einem auf zwei Jahre angelegten Master-Studiengang sollen im Intensivprogramm sowohl pädagogische und didaktische Fähigkeiten als auch ein zweites Unterrichtsfach vermittelt werden. Am Ende dieses Quereinstiegs-Masters sollen Lehrkräfte stehen, die ihren sonstigen Kollegen im Schuldienst vollkommen gleichgestellt sind. Sind sie jung genug, steht auch einer Verbeamtung nichts im Wege. Für den Anfang hat die Landesregierung gemeinsam mit den Universitätsstandorten Hildesheim und Braunschweig sowie Lüneburg zweimal 25 Studienplätze für dieses Programm eingerichtet. Läuft das Pilotprojekt gut an, soll die Zahl der Studienplätze erweitert werden. Außerdem könnten auch die Standorte Osnabrück, Oldenburg und Vechta mit einsteigen. Zunächst sollen aber ab dem Wintersemester erstmals Studenten in einem sogenannten Brückensemester ein zweites Fachstudium aufnehmen und dabei so schnell wie möglich viele Leistungspunkte sammeln. Zum Sommersemester beginnt dann planmäßig der erste zweijährige Master-Durchgang.
Die Universitäten wollen den Studenten ein maßgeschneidertes Studienprogramm anbieten. Je Standort sind dazu zwei Personalstellen allein für die Beratung der Studieninteressierten vorgesehen, berichtete Prof. Jürgen Sander in der Landespressekonferenz. Der Vizepräsident der Universität Hildesheim hat in seiner Funktion als Vorsitzender des Niedersächsischen Verbunds zur Lehrkräftebildung das Vorhaben entschieden vorangetrieben. Einen Kompromiss, auf den er sich dabei hat einlassen müssen, betrifft die Anzahl der Unterrichtsfächer. Das Kultusministerium habe darauf bestanden, dass der Quereinstiegs-Master zwei Fächer umfassen muss. Für die Universitäten wäre es leichter gewesen, das Angebot nur auf ein Fach auszurichten. Doch die Vorgabe der Kultusministerkonferenz war eindeutig: Eine vollwertige Lehrkraft muss zwei Fächer unterrichten können. Der ideale Kandidat für das neue Angebot wäre Prof. Sander zufolge ein Bachelorabsolvent mit der Fächerkombination Mathematik und Informatik, der zuerst in die Wirtschaft gestrebt sei, jetzt aber den Schuldienst vorziehe. In diesem Fall ließe sich das lehramtsbezogene Masterstudium leicht zusammenstellen. Es soll aber auch beispielsweise für Germanisten möglich sein, künftig in einen Lehramts-Master einzusteigen. Neben Studenten richte sich das Angebot auch an bereits berufstätige Universitätsabsolventen, die nicht als klassische Quereinsteiger im Schuldienst anheuern wollen. Verlangt die Lebensphase danach, könne das Studienprogramm auch in einer Teilzeit-Variante wahrgenommen werden, erläuterte Prof. Sander. Der Umfang des Studienpensums weicht dabei in geringem Maße von einem regulären Master-Studiengang ab. Bei 130 statt 120 vorgeschriebenen Leistungspunkten übersteigt das neue Angebot den Regelbetrieb um umgerechnet ein Drittel eines Semesters.
Für Niedersachsens Kultusministerin Hamburg ist der Quereinstiegs-Master ein weiterer ihrer sogenannten tausend Schritte für eine bessere Unterrichtsversorgung im Land. Ihr ist dabei bewusst, dass an dieser Stelle relativ viel Aufwand betrieben werden muss, um eine überschaubare Anzahl von Lehrkräften in den Schuldienst zu bringen. 650.000 Euro will das Wissenschaftsressort jährlich für das Programm bereitstellen. Sollte es sich bewähren, müsste die Summe weiter anwachsen. In der Landtagsopposition zweifelt man derweil daran, ob mit diesem Pilotprojekt der tatsächliche Lehrkräftebedarf auch nur ansatzweise gedeckt werden kann. „50 Studienplätze für den Quereinstiegs-Master sind in einem Flächenland wie Niedersachsen nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Damit wird der Lehrkräftemangel nicht behoben“, erklärte der CDU-Bildungspolitiker Christian Fühner. Er kritisiert zudem die räumliche Verteilung der neuen Studiengänge, die es für Interessierte aus dem Westen des Landes erkennbar schwieriger macht, daran teilzunehmen. Verständnis fehlt ihm außerdem für die Blockade des Kultusministeriums beim Ein-Fach-Master. „Das wäre leichter und vor allem schneller zu organisieren gewesen. Aber auch hier stand die Kultusministerin auf der Bremse.“ Kultusministerin Hamburg hatte dazu erläutert, dass eine Lehrkraft, die nur ein Fach unterrichten kann, auch entsprechend geringer entlohnt werden müsste. In dem von Niedersachsen eingeschlagenen Weg sieht sie eine Blaupause, die auch für andere Bundesländer von Interesse sein könnte.


