
Der Braunschweiger Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD) steht vor einer neuen politischen Aufgabe auf Bundesebene. Wie dem Politikjournal Rundblick auf Nachfrage bestätigt wurde, ist der 44-Jährige der Favorit für den freiwerdenden Präsidentenposten beim „Verband Kommunaler Unternehmen“ (VKU). Der Vorstand des Verbandes, dem etwa 40 Mitglieder angehören, entscheidet im März. Das Präsidium hat Kornblum für dieses Amt vorgeschlagen. Der VKU kann als Interessenverband der Stadtwerke Einfluss nehmen auf wichtige Weichenstellungen in der Energiepolitik – und gilt als herausragende Stimme der Kommunalpolitik auf der Bundesebene.
Die Stelle des VKU-Präsidenten wird frei, weil der erst im Juli 2025 im Amt bestätigte VKU-Präsident Ulf Kämpfer, bislang Oberbürgermeister von Kiel, das Amt nun räumen muss. Im November vergangenen Jahres war der 53-Jährige bei der anstehenden Kieler OB-Wahl nicht erneut als SPD-Kandidat angetreten, da er sich aus der Kommunalpolitik zurückziehen und der Landespolitik zuwenden will. Kämpfer wird Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen SPD für die nächste Landtagswahl. In der Vorbereitung auf die Nachfolge fiel die interne Wahl offenbar auch deshalb auf Kornblum, weil er in einer industriell stark geprägten Region arbeitet. Außerdem ist der Jurist, der vor seiner Wahl zum Verwaltungschef in Braunschweig im niedersächsischen Innenministerium gearbeitet hat, in den vergangenen Jahren mehrfach in neue Positionen aufgestiegen. Im Mai 2023 wurde er als Nachfolger von Hubertus Heil zum Chef des SPD-Bezirks Braunschweigs gewählt – dieser ist einer von landesweit vier Bezirken, die das Gerüst der Niedersachsen-SPD bilden. Im Juni 2023 wurde Kornblum zudem Bundesvorsitzender der „Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik“ (SGK), dem Interessenverband der Kommunalpolitiker innerhalb der SPD. Zwei Jahre später, im Juni 2025, ist Kornblum vom Bundesparteitag als Beisitzer in den SPD-Bundesvorstand gewählt worden.
Auf eine Rundblick-Anfrage teilte ein Sprecher des VKU mit: "Im VKU ist es gute Tradition, dass der VKU-Präsident aus dem kommunalen Hauptamt und der Spitze des Deutschen Städtetages stammt. Um das Vertrauen des Vorstands bewirbt sich auf Vorschlag des VKU-Präsidiums der Braunschweiger Oberbürgermeister Thorsten Kornblum. Kornblum ist seit November 2021 Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig und in dieser Funktion auch Aufsichtsratsvorsitzender von BS Energy. Die Wahl eines Nachfolgers für Ulf Kämpfer ist für die Vorstandssitzung am 24. März geplant.“
Sollte der Braunschweiger OB neuer VKU-Präsident werden, hätte er in diesem Amt einen prominenten Vorgänger. Stephan Weil, der frühere Ministerpräsident, stand zwischen 2007 und 2012 in seiner Funktion als OB von Hannover an der Spitze des VKU. Weil hatte dieses Amt damals genutzt, um sein Profil als Energiepolitiker und als Experte für die Arbeit der Stadtwerke zu schärfen. Dies war für seinen späteren Aufstieg zum SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl und dann zum Ministerpräsidenten nicht unwesentlich.


