28. Juli 2026 · 
P und PKultur

Klaus Wichmann (AfD) liest „Die großen Meister. Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts“

Klaus Wichmann (AfD) liest „Die großen Meister. Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts“ herausgegeben von Rolf Hochhuth:

Über die Anfrage, ‚welches Buch können Sie empfehlen‘ habe ich mich sehr gefreut, Bücher spielen in meinem ganzen Leben immer schon eine besondere, eine leidenschaftliche Rolle. So weiß ich sogar noch, wie die erste Seite meines ersten Lesebuchs aussah und auch, was auf ihr geschrieben stand. Das ist aber vermutlich nicht sehr interessant. Es ist denn auch nicht dieses Buch, das ich empfehlen möchte.

Es ist auch nicht „Die Buddenbrooks“, die ich vor gar nicht langer Zeit zum ersten Mal las und das mich ob der Wucht, ob des ätzenden Humors und der sprachlichen Reife des damals bloß 25jährigen (!) Autors wochenlang zwischen Bewunderung und Neid schwanken ließ.

Das Buch, das ich meine, lag aus im Wartezimmer des Nuklearmediziners an meinem Wohnort, der irgendein Organ von mir zu durchleuchten hatte. Welches Organ es war, habe ich längst vergessen. Das Buch hingegen konnte ich nicht vergessen.

Es ist „Die großen Meister. Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts“, herausgegeben von Rolf Hochhuth, 1964.

Klaus Wichmann liest „Die großen Meister. Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts“ mit Texten von Thomas Mann, Gerhart Hauptmann, Alfred Döblin oder Rainer Maria Rilke. | Foto: AfD, Canva

Nach nur zehn Seiten Lektüre der ersten Geschichte, wurde ich bereits zur Röhre gerufen. Da drin überlegte ich allen Ernstes, das Buch aus dem Wartezimmer einfach mitzunehmen. Es war schlicht zu gut. Und hier, im Wartezimmer des Nuklearmediziners, würde sich niemand auch nur noch einmal für dieses Buch interessieren! Es las doch niemand mehr im Wartezimmer! Schon gar kein Buch! War es da nicht geradezu sittliche Pflicht, dem Buch die Wertschätzung zu geben, die es ganz ohne Zweifel verdiente? Bei mir!

Die Vielzahl der hier aufgewandten Ausrufezeichen spiegelt meinen Konflikt nur annähernd wider. Mein bürgerliches Ich obsiegte endlich. Ich schrieb den Titel auf und kaufte das Buch noch am selben Tag im Internet, respektive zwei, denn es sind zwei Bände.

Wer den ersten Band aufschlägt, dem begegnet die Sünde eines schlesischen Grafen – in Afrika, den Einbruch ziemlich erwachsenen Gefühls in eine Jugend, die einmal wirklich war, aber die wohl kein lebender Deutscher je erlebt hat und die auch nicht wiederkehren wird. Wir treffen – herzzerreißend – den Miks Bumbullis. Wir erleben eine Erbschaft in Höhe von 800.240 DM (in 1962!) an einen alleinstehenden älteren Herren und was er damit macht. Und immer wird eine Welt erschaffen, in die wir eintauchen können, wie ein Junge in ein Abenteuerbuch. „Die großen Meister“, es stimmt. Dass nicht jede Geschichte fesselt, stört nicht. Die anderen sind es wert.

Das Buch liegt vermutlich auch heute noch bei unserem örtlichen Nuklearmediziner. Unbeachtet. Ich denke öfter daran.

Auf der ersten Seite meines ersten Lesebuches stand übrigens „Flocki bellt“.


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