15. Juni 2026 · 
HintergrundParteien

Hier Spannung – dort eine klare Erwartung: Was die Oberbürgermeisterwahlen bringen

Am 13. September sind in vielen Kommunen auch Direktwahlen für das Oberbürgermeisteramt. Es gibt Favoriten - aber auch ganz viele Unsicherheiten über den Ausgang.

Sehr oft sind Wahlen von Überraschungen geprägt. Der lange geglaubte Favorit strauchelt kurz vor dem Termin, sein unterschätzter Gegenkandidat gewinnt. Oder ein erwartetes knappes Rennen fällt dann doch eindeutig aus, da die Kräfteverhältnisse anfangs falsch eingeschätzt wurden. Zum Tag der landesweiten Kommunalwahlen am 13. September kommen noch etliche Landrats- und Bürgermeisterwahlen hinzu, die Direktkandidaten sind oft schon aufgestellt, in manchen Fällen noch nicht. Tatsächlich ist noch Zeit bis zum Sommer.

Wir wollen den Blick auf die Oberbürgermeisterwahlen in den großen selbstständigen und in den kreisfreien Städten richten. Was steht hier bevor – und wo wird es spannend?

Belit Onay (Mitte) muss sich im Rennen ums Neue Rathaus in Hannover unter anderem gegen Axel von der Ohe (links) und Peter Karst behaupten. | Foto: Axel Herzig
  • Hannover: Es ist derzeit völlig unklar, wie die OB-Wahl in der Landeshauptstadt ausgehen wird. Hat der seit 2019 amtierende Verwaltungschef Belit Onay (Grüne) inzwischen einen Amtsbonus erhalten? Onay ist bundesweit bekannt, tritt auch in Talkshows auf. Seine wohl prägendste, aber auch umstrittenste Vision betrifft die „autofreie Innenstadt“, die er mit einigen Entscheidungen durchzusetzen versucht. Im Rat stößt er damit inzwischen auf Widerstand von SPD, CDU und FDP. Die SPD versucht mit ihrem Kandidaten Axel von der Ohe, derzeit Finanz- und Ordnungsdezernent, das bis vor wenigen Jahren stets „rote“ Rathaus zurückzuerobern. Die CDU hat den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer aufgestellt, den gebürtigen Rheinländer Peter Karst. Die AfD präsentiert die Landtagsabgeordnete Jessica Schülke, die Linkspartei die Bundestagsabgeordnete Maren Kaminski und die Piratenpartei Bruno Wolf. Beobachter gehen von einem engen Rennen zwischen Onay, von der Ohe und Karst aus. Zwei von ihnen könnten es in eine Stichwahl schaffen. Karst ist spät ins Rennen gestartet, während von der Ohe sich früh auf seine mitgliederstarke SPD in Hannover gestützt hat und diese versucht, bei Laune zu halten.
Michael Walther (links) und Maximilian Pohler (rechts) fordern Thorsten Kornblum heraus. | Fotos: Marek Kruszewski, Daniela Nielsen, CDU
  • Braunschweig: In der zweitgrößten Stadt Niedersachsens startet der Amtsinhaber Thorsten Kornblum (SPD) als klarer Favorit in die Wahl. Der 43-Jährige ist in der Partei und in den bundesweiten Gremien der Kommunalpolitiker bestens vernetzt. Er führt den SPD-Bezirksverband Braunschweig und die Vereinigung der sozialdemokratischen Kommunalpolitiker. Auf Bundesebene wird Kornblum bald den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) leiten. Für die CDU tritt der 30-jährige Juristen Maximilian Pohler an, der auf dieser Bühne ein Newcomer ist und bei einem Achtungserfolg noch bei der übernächsten OB-Wahl eine gute Chance hätte. Die Grünen präsentieren Michael Walther, einst Leiter des Referates für Stadtentwicklung.
Katharina Pötter und Robert Alferink treten bei der OB-Wahl in Osnabrück gegeneinander an. | Fotos: Swaantje Hehmann, SPD
  • Osnabrück, Emden, Celle und Hameln: Die Amtsinhaber stoßen zwar auf Herausforderer, können aber als jeweilige Favoriten gelten. Das trifft für Katharina Pötter (CDU) in Osnabrück zu. Die SPD, die mit Rot-Grün im Stadtrat die Mehrheit stellt, hat den Kommunalpolitiker Robert Alferink (42) aufgeboten, er ist als Jurist bei der IHK aktiv und möchte gern an die alten Zeiten anknüpfen, als die SPD mit Boris Pistorius den OB stellte. Doch Pötter gilt als sehr populär, auch die Bewerbung des Grünen-Landtagsabgeordneten Volker Bajus dürfte ihre Favoritenrolle nicht schmälern. In Emden hat der parteilose OB Tim Kruithoff eine starke Position, die CDU hat schon seine Wiederwahl empfohlen, die SPD schickt die Ratsfrau Maria Winter ins Rennen. In Celle und Hameln sind die christdemokratischen Amtsinhaber die klaren Favoriten, in Celle ist es Jörg Nigge, in Hameln Claudio Griese. Die Celler Sozialdemokraten unterstützen die Journalistin Karin Abenhausen, die den Grünen angehört, die Hamelner Genossen den Jugendhilfe-Unternehmer Steffen Knippertz.
  • Salzgitter und Wolfsburg: Beide Städte im Umkreis von Wolfsburg werden von Oberbürgermeistern geführt, deren Wiederwahl als sehr wahrscheinlich gilt. In Salzgitter tritt OB Frank Klingebiel (CDU) noch einmal an. Sein SPD-Gegenkandidat Tobias Bey startete seine Nominierung mit ungewöhnlichen Nachrichten. Er verklagte seinen Arbeitgeber, eine Schule - und errang jüngst einen juristischen Erfolg. In Wolfsburg bewirbt sich OB Dennis Weilmann (CDU) um die Wiederwahl. Die SPD stellte nach langen Erwägungen, ob nicht vielleicht Wissenschaftsminister Falko Mohrs antreten wolle, den früheren Dezernenten Karsten Schneider aus Herten in Nordrhein-Westfalen auf.
Haben gute Chancen auf eine Wiederwahl: Jörg Nigge (links) in Celle und Claudio Griese in Hameln. | Fotos: Stadt Celle, Stadt Hameln
  • Oldenburg und Delmenhorst: In Oldenburg tritt für die SPD der Landtagsabgeordnete Ulf Prange (50) an – und gilt als Favorit. Die Grünen hatten den Philosophen und Unternehmer Jascha Rohr (50) aufgestellt, die CDU sprang ihm dann zur Seite und unterstützt ihn. Das war bei den Christdemokraten nicht unumstritten gewesen. Im benachbarten Delmenhorst ist Oberbürgermeisterin Petra Gerlach (CDU) die Favoritin, die SPD hat den Fraktionschef im Rat, Alexander Mittag, aufgestellt. Er ist der Sohn der früheren Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag.
  • Lingen und Wilhelmshaven: In der Stadt Lingen, die lange als CDU-Hochburg galt, regiert schon etliche Jahre der parteilose OB Dieter Krone. Die SPD unterstützt ihn jetzt wieder, doch die CDU hat Jens Hofschröer aufgestellt, der bisher als Dezernent in Wolfsburg tätig war. In Wilhelmshaven, einer Stadt mit starker SPD-Prägung, haben die Sozialdemokraten Volker Block nominiert, einen Manager in der Bildungsarbeit und langjähriger Kommunalpolitiker. Dagegen hat die parteilose Eva Maria Haarmann, Geschäftsführerin einer Berufsakademie, ein breites Bündnis an Kräften hinter sich versammelt und schon seit Monaten aktiv dafür geworben. Der AfD-Landtagsabgeordnete Thorsten Moriße schickt sich an, für seine Partei in den OB-Wahlkampf zu ziehen. In beiden Städten ist der Ausgang der Wahl völlig offen.
Patrick Pietruck (von links) und Oliver Wozniok wollen Claudia Kalisch in Lüneburg ablösen. Wozniok zog nun zurück. | Fotos: CDU, SPD, WWW.SCHEFFEN.DE
  • Lüneburg und Göttingen: In Lüneburg bewirbt sich Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) um die Wiederwahl – wird aber von SPD und CDU nicht unterstützt. Die SPD hat Oliver Wozniok (47) aufgestellt, einen Dezernenten der Regionalen Schulbehörde. Er gab jetzt allerdings überraschend auf und nannte gesundheitliche Gründe. Daraufhin hat die SPD Andrea Schröder-Ehlers (64) nominiert, die Vizepräsidentin des Landesrechnungshofs. Die CDU benennt Patrick Pietruck, einen Marketing-Unternehmer. Der parteilose Heiko Meyer, lange Vorsitzender des City-Managements, ist für Überraschungen gut – vor fünf Jahren hatte er es gegen Kalisch in die Stichwahl geschafft. Der Ausgang der Wahl ist offen – ebenso wie in Göttingen. Dort hat Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) ihren Verzicht erklärt. Die CDU präsentiert den 45-jährigen Oberstaatsanwalt Ehsan Kangarani, der 2021 fast die Stichwahl zum OB-Amt erreicht hätte, die SPD den IGS-Schulleiter Florian Dinger (42). Für die Grünen tritt Onyeka Oshionwu (30) an, Lehrerin im Jugendstrafvollzug und bisher ehrenamtliche Vize-Bürgermeisterin mit einer starken Ausstrahlung. Die Linken haben den Sozialwissenschaftler Thomas Goes aufgestellt.
  • Cuxhaven: Oberbürgermeister Uwe Santjer (SPD) bewirbt sich erneut – und hat den Ruf eines sehr volksnahen, zugänglichen Kommunalpolitikers. Innerhalb seiner SPD gibt es aber Konflikte, denn zwischen Santjer und dem Landtagsabgeordneten Oliver Ebken ist es zum Zerwürfnis gekommen. Noch ist unklar, ob dies die Aussichten von Santjer bei der Wahl schwächen könnte.
Dieser Artikel erschien am 16.6.2026 in Ausgabe #110.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

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