20. Juli 2026 · 
SerieWissenschaft

Eine Linsen-Bowl für den Wissenschaftsminister – und schwere Kost aus Berlin

Linsen-Bowl trifft Politikfrust: Wissenschaftsminister Falko Mohrs spricht in der Mensa 1 in Braunschweig über Milliardensummen, Nostalgie und teure Ansagen aus Berlin.

Wie nutzen die Politiker und Spitzenbeamten die Mittagspause? Gehen sie in die Kantine oder in ein Restaurant? Heute: Falko Mohrs.

Falko Mohrs wartet schon überpünktlich vor der Mensa 1 in Braunschweig. Die erste Frage für unser kleines gastronomisches Sommerinterview beantwortet sich dabei ganz von selbst: Wird man als niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur in einer studentischen Mensa eigentlich erkannt? Die Antwort ist ein klares Ja. Noch bevor er das Gebäude überhaupt betreten hat, spricht ein Student den SPD-Politiker höflich an: „Entschuldigung, sind Sie nicht Falko Mohrs?“ Schnell entwickelt sich auf dem Vorplatz ein spontaner Plausch über den spürbaren Sanierungsstau an den Hochschulen des Landes. Mohrs geht gerne darauf ein – schließlich hat er gute Nachrichten im Gepäck. Satte 627 Millionen Euro steckt das Land in ein neues Investitionsprogramm für den Hochschulbau und die Forschungsinfrastruktur. „Da muss man den Bund loben, aber wir haben auch eine kluge Prioritätensetzung gemacht“, stellt er fest und zieht eine rundum zufriedene Bilanz aus den Verhandlungen der Landesregierung: „Die Haushaltsklausur ist für uns gut gelaufen.“

Falko Mohrs kennt die Mensa 1 in Braunschweig noch in Studientagen. Als Wissenschaftsminister kann man hier aber auch gut speisen. | Foto: Link

Das viele Geld fließt keineswegs nur in neue, repräsentative Forschungsbauten, sondern immer öfter in ganz pragmatische Dinge, die den Alltag erträglicher machen: smarte Lüftungsanlagen, modernisierte Toiletten, sanierte Fenster, neuer Sonnenschutz oder bessere Verschattungen für die heißen Sommertage. Mohrs möchte den Universitäten und Fachhochschulen bei der Umsetzung deutlich mehr Eigenverantwortung zutrauen. Einrichtungen mit eigener Bauherreneigenschaft, etwa Stiftungshochschulen, kämen beim Sanieren schlicht schneller voran. „Wir versuchen, so viele Verantwortlichkeiten wie möglich auf die Hochschulen zu übertragen“, kündigt der Minister an.

Drinnen stellt sich beim Schritt durch die Speiseraum-Türen gleich ein Hauch von Nostalgie ein. Mohrs kennt die Mensa 1 noch bestens aus seinen eigenen Studientagen an der TU Braunschweig, auch wenn die Räumlichkeiten damals etwas anders aussahen. Mit einem Lächeln erinnert er sich daran, wie er hier einst nach dem anstrengenden Chinesisch-Kurs einkehrte. Viel gebracht habe der Sprachunterricht zwar nicht, dafür ist ihm zumindest in guter Erinnerung geblieben. Heute speist der Minister vegetarisch und wählt die „Sunshine Bowl“ – eine sommerliche Mischung aus Linsen, Wassermelone und einer Hirtenkäsealternative auf Kokosölbasis. Dazu entscheidet er sich für eine Fritz-Kola light. Der Reporter entscheidet sich bodenständig für das Schweinegeschnetzelte. Das Urteil des Ministers fällt anschließend: „Die war wirklich super. Ich habe lange nicht mehr so gesund gegessen wie heute.“ Aber auch das Gericht auf der anderen Tischseite überzeugt.

Besonders stolz ist Mohrs darauf, dass das Land das „Niedersachsenmenü“ für 2,50 Euro pro Mahlzeit absichern konnte. „Das wird einfach total positiv aufgenommen.“ Privat lasse sich für diesen Betrag kaum ein vollwertiges Mittagessen kochen: „Nudeln mit Sauce – das ist keine ausgewogene Mahlzeit.“ Das vergünstigte Essen versteht der Minister als bewusste Entlastung im Studienalltag: „Das ist kein Selbstzweck. Es geht darum, den Studierenden ein gutes Angebot zu machen.“

Foto: Link

Doch so gut das Essen auch schmeckt – die Gesundheitspolitik der Bundesregierung verdirbt dem Wissenschaftsminister spürbar die Laune. Durch die anstehende GKV-Reform rechnet Mohrs mit drastischen Mehrkosten von 50 bis 60 Millionen Euro für die beiden niedersächsischen Universitätskliniken, die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und die Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Vom Bund gäbe es im Gegenzug nur mickrige drei Millionen Euro als Ausgleich. „Das Entgegenkommen des Bundes ist inadäquat“, findet Mohrs und hätte im Bundesrat lieber den Vermittlungsausschuss angerufen. Auch das Pflegebudget und die Finanzierung der Psychotherapie bewertet er als völlig unzureichend. „Das wird den Druck auf die Pflegekräfte weiter erhöhen“, warnt er und befürchtet auch bei der Psychotherapie eine Unterfinanzierung, die sich noch rechen wird. „Das Thema Einsamkeit ist bei Studierenden, aber gerade auch bei Älteren groß.“

Auch in den Semesterferien ist in der Mensa 1 in Braunschweig jede Menge los. | Foto: Link

Gegen die anhaltend gedrückte Stimmung im Land wehrt sich Mohrs dennoch energisch. „Es gehen auch Dinge nach vorne. Die Qualität der Wissenschaft in Deutschland ist einfach gut“, betont er mit Blick auf die heimische Forschungslandschaft. Vor allem beim Zukunftsthema Quantencomputer sieht er riesige Chancen für den Standort Niedersachsen: „Da lohnt es sich, einen großen Akzent zu setzen. Da verspreche ich mir sehr viel.“

Bei den eigenen Forschungsstandorten kommt Mohrs schnell ins Schwärmen – ob Jade Hochschule in Wilhelmshaven mit der Meeresforschung, TU Braunschweig bei der Batterietechnik, DLR, PTB oder die Laser-Spezialisten der Leibniz Universität Hannover. Ein Problem treibt ihn dennoch um: „Wir müssen besser werden, den Transfer in die Praxis hinzukriegen. Die Kultur des Gründens ist in Deutschland nicht ausgeprägt genug.“ Spannung herrscht beim Thema Exzellenzstrategie, bei der sich niedersächsische Universitäten Hoffnung auf den begehrten Elitetitel machen. „Die Bewerbungen sind richtig, richtig gut gelaufen“, lobt der Minister den Einsatz an den Hochschulen. „Egal welches Ergebnis rauskommt, die drei haben auf jeden Fall schon gewonnen.“ Die intensive Beschäftigung mit der eigenen Ausrichtung habe die Häuser ohnehin entscheidend vorangebracht. Sportlich ergänzt er: „Es ist wie bei Olympia. Selbst wenn du das Rennen deines Lebens läufst, kann es immer noch jemanden geben, der schneller rennt als du.“ Auch das Verfahren selbst schätzt Mohrs sehr: „Wissenschaft beurteilt Wissenschaft – ohne politische Einflussnahme. Es geht einfach nur um die Qualität der wissenschaftlichen Einrichtung.“ Am 2. Oktober wird sich zeigen, wer am Ende den Zuschlag erhält.

Kann sich sehen lassen und schmeckt auch: Die Sunshine-Bowl aus der Küche des Studierendenwerks Niedersachsen-Ost. | Foto: Link

Zum Ende des Gesprächs schwenkt der Blick entspannt auf Freizeit und Kultur. Mit sportlichen Großereignissen kann Mohrs zurzeit eher wenig anfangen: „In die Fußball-WM bin ich emotional gar nicht reingekommen.“ Umso mehr Freude bereitet ihm die geglückte Einigung beim niedersächsischen Kulturpaket: „Das macht Spaß, dass wir es hinbekommen haben, das abzusichern.“ Oft seien es gerade die kleineren Beträge, die vor Ort einen riesigen Unterschied machten: „In den allermeisten Fällen ist das Kulturpaket damit verbunden, dass es überhaupt eine Verstetigung im Haushalt gibt.“ Für manche Initiative bedeute das schlicht, dass sie nach zehn Jahren endlich einmal eine Tarifanpassung für ihre Mitarbeiter hinbekommt.

Fazit: Die Mensa 1 (Katharinenstraße 1, 38106 Braunschweig) überzeugt mit frischer, abwechslungsreicher Küche und einer entspannten Atmosphäre. Ein Wissenschaftsminister, der hier locker über Hochschul-Milliarden, Bundespolitik und pflanzlichen Käse philosophiert, fügt sich nahtlos ins Bild. Und mit rund zehn Euro für eine Mahlzeit inklusive Softdrink stimmt auch für externe Gäste das Preis-Leistungsverhältnis.

Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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