Allgemeiner Überblick: Die wirklichen Gewinner dieser Stichwahlen dürften die Grünen sein. Ihre Bewerber haben dort, wo sie in den Stichwahlen waren, durchweg gut abgeschnitten - und überraschende Erfolge erzielt. Eine Ausnahme ist die Stadt Osnabrück. So wird künftig im Kreis Osterholz ein Grünen-Politiker die Geschäfte der Kreisverwaltung führen, der bisherige Bürgermeister von Lilienthal, Kim Fürwentsches. Er hat schon lange den Ruf, einen unkonventionellen Stil zu pflegen. Auch in der Stadt Göttingen nehmen die Grünen der SPD einen Stammsitz ab - die Grünen-Kandidatin Onyeka Oshionwu, eine 33-Jährige, löst die bisherige Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ab, die nicht erneut kandidiert hatte. In Lüneburg bleibt die Grünen-Politikerin Claudia Kalisch Oberbürgermeisterin, im Kreis Osnabrück verteidigte die Grünen-Politikerin Anna Kebschull, die als überparteiliche Bewerberin auftrat, ihre Position als Landrätin. Einen klaren Sieg hat auch Belit Onay verbucht, der amtierende OB der Landeshauptstadt von den Grünen.

- Oldenburg, Delmenhorst, Lingen und Osnabrück: In Oldenburg hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Ulf Prange zunächst als Favorit für den OB-Posten gegolten - auch wenn die örtliche SPD, etwa wegen des Stadionbau-Themas, massiven Gegenwind erntete. In der Stichwahl hat nun der Grünen-Kandidat Jascha Rohr, der auch von der CDU unterstützt wurde, mit 51,6 Prozent das Rennen für sich entschieden. In Delmenhorst hatte die amtierende Oberbürgermeisterin Petra Gerlach (CDU) eigentlich als aussichtsreichste Bewerberin gegolten. Doch sie verliert in der Stichwahl gegen Alexander Mittag von der SPD, der mehr als 52 Prozent bekam. Dafür gelingt der CDU in Lingen mit Jens Hofschröer die Ablösung des bisherigen Oberbürgermeisters Dieter Krone, für den sich die SPD stark gemacht hatte. Hofschröer erreicht 71,2 Prozent. In Osnabrück siegt die amtierende Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) mit 57 Prozent über den Grünen-Landtagsabgeordneten Volker Bajus.

Das sind die Gewinner der Landratswahlen:
- Peine, Northeim, Göttingen, Helmstedt, Wolfenbüttel und Goslar: In allen diesen südniedersächsischen Kreisen triumphieren die Kandidaten der SPD: In Peine erreicht Julia Semper, bisher Polizeibeamtin, 72,7 Prozent, in Northeim Simon Hartmann, bisher Bürgermeister der Stadt Northeim, 61,9 Prozent. Im Kreis Göttingen gewinnt SPD-Kandidatin Ulrike Witt, bisher Landesbeauftragte für die Region Braunschweig, gegen den CDU-Bewerber Harm Adam. In Helmstedt löst SPD-Kandidat Malte Schneider, bisher Bürgermeister von Schöningen, den christdemokratischen Landrat Gerhard Radeck ab. Der CDU-Kandidat Torsten Wendt, derzeit Erster Kreisrat, unterliegt deutlich. In Wolfenbüttel bleibt das Kreishaus in sozialdemokratischer Hand, neuer Landrat wird Martin Albinus, der bisher im Rathaus von Braunschweig arbeitet. In Goslar ist der amtierende Landrat Alexander Saipa mit 65,1 Prozent klar bestätigt worden.

- Region Hannover, Nienburg, Hameln-Pyrmont, Hildesheim und Holzminden: In der Region Hannover siegt SPD-Bewerberin Eva Bender mit fast 70 Prozent über den CDU-Gegenkandidaten Oliver Junk, der früher OB von Goslar war. In Nienburg gewinnt die parteilose Stefanie Duensing gegen den CDU-Bewerber, in Hameln-Pyrmont siegt SPD-Kandidat Dominik Petters gegen eine CDU-Gegenkandidatin. In Hildesheim wird der amtierende Landrat Bernd Lynack (SPD) mit 65,2 Prozent klar bestätigt. In Holzminden fällt das Landratsamt zurück an die SPD, der 27-jährige Verwaltungsmitarbeiter Bjarne Allruth gewinnt mit 60,4 Prozent gegen den Braunschweiger Polizeivizepräsidenten Uwe Lange, der von der CDU aufgestellt worden war.

- Osterholz, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen: Die vielen Jahre der SPD-Dominanz im Kreis Osterholz sind vorüber, neuer Landrat wird der Grünen-Kandidat Kim Fürwentsches mit 58,0 Prozent, der sich klar gegen Michael Harjes von der SPD durchsetzt. Im Heidekreis erleidet der SPD-Landtagsabgeordnete Sebastian Zinke eine klare Niederlage, neue Landrätin wird Cornelia Reithmeier (parteilos), die bisher schon als Kreisrätin in der Verwaltung des Kreises tätig war, mit 60,1 Prozent. Im Kreis Lüneburg hat sich Steffen Gärtner, CDU-Kandidat, mit 55 Prozent durchgesetzt. In Lüchow-Dannenberg ist die parteilose Landrätin Dagmar Schulz, die von der Bürgerliste unterstützt wurde, mit 74 Prozent im Amt bestätigt worden. In Uelzen siegt der bisherige Landrat Heiko Blume (CDU) gegen den SPD-Herausforderer Jan Henner Putzier, einem SPD-Landtagsabgeordneten.

- Aurich, Ammerland, Osnabrück und Grafschaft Bentheim: Der Kreis Aurich fällt wieder zurück an die SPD. Nachfolger des parteilosen Landrats Olaf Meinen wird der SPD-Bewerber Olaf Wiltfang mit 62,3 Prozent. In der Grafschaft Bentheim siegt auch die SPD-Bewerberin bei der Landratswahl - Silvia Pünt-Kohoff erreicht 51,4 Prozent und tritt die Nachfolge des parteilosen Landrats Uwe Fietzek an, der bisher von der CDU unterstützt wurde und nicht wieder angetreten war. Pünt-Kohoff gewann gegen einen parteiunabhängigen Bewerber - und das, obwohl es im Vorfeld der Aufstellung in der heimischen SPD Streit um die Kandidatur gegeben hatte. Im Kreis Osnabrück gewinnt die Landrätin Anna Kebschull (Grüne) mit 64,7 Prozent souverän gegen den CDU-Bewerber Thomas Spieker. Die einstige CDU-Hochburg im Kreis Osnabrück wird damit weiter von einer Grünen-Politikerin geführt - auch wenn diese im Wahlkampf als Parteiunabhängige aufgetreten war.



