22. Juli 2026 · 
MeldungJustiz

Beschuldigter von Stade hat sich mutmaßlich in seiner Zelle stranguliert

Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es derzeit nicht. Die Videoüberwachung war am Vortag beendet worden.

Wie das Justizministerium mitteilt, ist der Beschuldigte, der in Stade mutmaßlich sechs Mitarbeiter der Jugendhilfe getötet hat, in der Nacht zu Dienstag in seiner Zelle verstorben. Ein Mitarbeiter der JVA Bremervörde fand ihn bei der morgendlichen Kontrolle leblos in der Einzelzelle. Der Notarzt stellte den Tod durch Strangulation fest. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen laut Justizministerium nicht vor, es wird von einem Suizid ausgegangen. Ermittlungen zu den Todesumständen wurden eingeleitet.

Nach NDR-Recherchen war die 24-Stunden-Videoüberwachung am Vortag beendet worden, weil der Mann einen "aufgeräumten Eindruck" machte und keine Anzeichen für ein suizidales Verhalten zeigte. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion, Carina Hermann, erinnert allerdings daran, dass der Mann bereits nach der Tat erklärt haben soll, er habe sich selbst töten wollen und nur wegen fehlender Munition davon abgesehen. "Wenn diese Äußerung den zuständigen Stellen bekannt war, ist nicht erklärbar, wie es dennoch zu einem Suizid kommen konnte", kommentiert Hermann.

Durch den Suizid, der die gerichtliche Aufarbeitung der sechs Tötungsdelikte in Stade verhindert, steigt der Druck auf Justizministerin Kathrin Wahlmann weiter an. In den vergangenen Wochen sorgten bereits die Flucht eines Mörders bei einem begleiteten Ausgang und die neuerlichen Taten eines Sexualstraftäters im Hafturlaub für Kritik am Justizressort. Carina Hermann kritisiert auch, dass die Leitung der Abteilung Justizvollzug und die Leitung des für Sicherheit zuständigen Referats im Ministerium unbesetzt seien. "Dieses organisatorische Versagen ist Ausdruck eines gravierenden Führungsversagens an der Spitze des Justizministeriums", meint sie.

Wie der NDR zuvor berichtet hatte, soll der Mann mit türkischer Staatsbürgerschaft keinen Aufenthaltstitel in Deutschland besessen haben. In der Türkei wurde er mit einem nationalen Haftbefehl gesucht.

Anne Beelte-Altwig
AutorinAnne Beelte-Altwig

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail
Beschuldigter von Stade hat sich mutmaßlich in seiner Zelle stranguliert